Spielleiterloses Rollenspiel
Kurz erklärt
Spielleiterloses Rollenspiel ist eine Spielform ohne dauerhaft separate Spielleitungsrolle. Die Aufgaben, die sonst häufig eine Spielleitung übernimmt, werden je nach Regelwerk auf Beteiligte, wechselnde Zuständigkeiten oder Spielhilfen verteilt.
- welche Aufgaben die Beteiligten gemeinsam übernehmen
- welche Formen geteilte Verantwortung annehmen kann
- welche Regeln und Erwartungen vorab geklärt werden
Spielleiterloses Rollenspiel ist gemeinsames Rollenspiel ohne dauerhaft separate Spielleitungsrolle. Die Beteiligten verteilen Aufgaben wie Szenenbeschreibung, Nebenfiguren und die Klärung offener Ergebnisse nach den Regeln ihrer Partie. Dafür sind auch die Begriffe GMless oder Rollenspiel ohne feste SL gebräuchlich.
Das bedeutet nicht, dass jede Person jederzeit alles bestimmen kann. Entscheidend ist, wer wann welche Aussage treffen darf und wie die Gruppe mit widersprüchlichen Vorschlägen umgeht.
Welche Aufgaben werden verteilt?
Eine Spielleitung kann viele unterschiedliche Aufgaben übernehmen: den Rahmen vorbereiten, Schauplätze beschreiben, Herausforderungen darstellen, Regeln erklären oder eine Szene beginnen. Spielleiterlose Formen behandeln diese Aufgaben nicht alle gleich.
Der Designerworkshop GMless Role-playing Games von Ben Robbins untersucht unter anderem, wie unterschiedliche Spiele Herausforderungen und Gegenspiel aufteilen. Manche geben anderen Beteiligten zeitweise Verantwortung für Widerstände. Andere erzeugen den Druck durch Beziehungen oder Spielabläufe.
Für eine konkrete Partie können Zuständigkeiten beispielsweise nach Szenen wechseln oder an Rollen und Karten gebunden sein. Auch Zufallstabellen können Antworten liefern. Maßgeblich sind die verwendeten Pen-and-Paper-Regeln, nicht ein einheitliches Verfahren für alle spielleiterlosen Spiele.
Welche Formen gibt es?
Ein mögliches Ziel ist, gemeinsam eine Figurengruppe durch offene Herausforderungen zu führen. Tomkin Press stellt kooperatives Spiel ohne GM als eigenen Modus neben Solo- und geleitetem Spiel vor.
Eine andere Form konzentriert sich stärker auf Beziehungen und die gemeinsam entstehende Geschichte. Bully Pulpit Games beschreibt ein GMless-Gruppenspiel mit eigener Struktur. Diese Beispiele zeigen unterschiedliche Ausrichtungen. Das eine Verfahren lässt sich nicht ohne Weiteres auf die andere Partie übertragen.
Spielleiterlos ist deshalb eine Aussage über die Organisation. Daraus folgen weder eine bestimmte Spielwelt noch ein fester Schwierigkeitsgrad oder eine einheitliche Spieldauer.
Ein fiktives Beispiel am Tisch
Vier Personen spielen eine Geschichte um ein verschwundenes Forschungsschiff. Vor dem Start klären sie, wie Szenen eröffnet und unsichere Handlungen entschieden werden.
In der ersten Szene verfolgt eine Figur ein verdächtiges Funksignal. Eine andere Person darf nach dem vereinbarten Verfahren das Hindernis beschreiben: Der Zugang zum Sender ist verriegelt. Die Person, die den Spielercharakter führt, entscheidet über dessen Versuch. Das Ergebnis wird anschließend mit den Regeln geklärt.
Damit sind Beschreibung, Figurenentscheidung und Ergebnis verschiedene Aufgaben. Niemand muss nebenbei die ganze Geschichte festlegen. Für die nächste Szene wechseln die Zuständigkeiten nach dem gewählten Ablauf.
Das Beispiel ist frei erfunden. Es illustriert eine mögliche Aufgabenverteilung und behauptet keine universelle Regel.
Was solltest du vor der ersten Partie klären?
Für einen kurzen One-Shot hilft eine gemeinsame Vorbereitung:
- Erzählrechte: Wer eröffnet Szenen, ergänzt Weltfakten und stellt Nebenfiguren dar?
- Figurenentscheidungen: Welche Entscheidungen bleiben bei der Person, die eine Figur spielt?
- Ungewissheit: Wann greift eine Regel oder Spielhilfe, statt weiter zu diskutieren?
- Widersprüche: Wie korrigiert ihr einen Vorschlag, der bereits feststehende Inhalte verletzt?
- Tischorganisation: Wer erklärt den Ablauf, achtet auf Pausen und hält die verbleibende Zeit im Blick?
Eine Person darf die Regeln gut kennen und den Start erleichtern. Daraus entsteht nicht automatisch eine separate Spielleitungsrolle. Ebenso wenig ersetzen geteilte Erzählrechte eine gute Tischkultur. Zuhören und Raum für zurückhaltendere Beteiligte bleiben wichtig.
Abgrenzung und nächster Schritt
Wenn eine Person die volle Spielleitung pro Sitzung übernimmt und diese Rolle erst am nächsten Termin wechselt, ist das zunächst wechselnde Spielleitung. Ein spielleiterloses Verfahren verteilt Zuständigkeiten innerhalb des Spiels. Auch Solo-Rollenspiel ist ein anderer Begriff: Es beschreibt eine einzelne spielende Person, während GMless-Gruppen gemeinsam spielen.
Für eine längere Kampagne solltest du zusätzlich klären, wie gemeinsame Fakten und offene Handlungen erhalten bleiben. Für den Einstieg reicht meist ein begrenzter Versuch, nach dem ihr Ablauf und Aufgabenverteilung besprecht.
Möchtest du das Format mit anderen ausprobieren? Sieh dir Spielrunden auf WE20 an und prüfe in der Beschreibung, wie Spielleitung und gemeinsame Aufgaben organisiert sind.
Quellen
- Ben Robbins: GMless Role-playing Games, part 4 – Designerworkshop zur Aufgabenverteilung.
- Bully Pulpit Games: GMless-Spielstruktur – offizielles Beispiel eines GMless-Gruppenspiels.
- Tomkin Press: Spielmodi und Orakel – offizielles Beispiel für kooperatives Spiel ohne GM.