Thema 3 · Grundlagen
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenGruppenvertrag
Ein Gruppenvertrag hält fest, wie ihr eure Pen-and-Paper-Runde organisiert und miteinander spielt. Du lernst, Termine, Absagen, Umgang, Aufgaben, Regelentscheidungen und Änderungen in kurze, gemeinsam getragene Sätze zu übersetzen. Eine kopierbare Vorlage und ein vollständig fiktives Muster helfen dir, daraus eure eigene Vereinbarung zu machen.
Was eure Vereinbarung leisten soll
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenMit Gruppenvertrag ist hier eure gemeinsame Spielabsprache gemeint: eine kurze Notiz, auf die sich alle beziehen können. Sie soll beantworten, was an einem gewöhnlichen Spielabend passiert und wie ihr mit Abweichungen umgeht. Ihr braucht dafür keine feierliche Unterschriftenrunde. Wichtiger ist, dass jede Person die Absprachen versteht, Einwände äußern kann und ihnen tatsächlich zustimmt.
Die nützlichste Fassung passt für viele Runden auf etwa eine Seite. Das ist eine Arbeitsempfehlung, keine Pflichtgröße: Ein einmaliger Abend braucht weniger Organisation als eine Kampagne mit wechselnder Besetzung. Auch eine längere Runde muss nicht jedes denkbare Problem vorab regeln. Haltet die Entscheidungen fest, die eure Teilnahme, Vorbereitung und Zusammenarbeit beeinflussen. Ausführliche Weltbeschreibungen, Figurenhintergründe und komplette Hausregelsammlungen gehören in eigene Notizen, auf die ihr bei Bedarf verweist.
Der Unterschied zur Session Zero liegt in der Aufgabe: Dort besprecht ihr den gemeinsamen Start, Erwartungen, Spielstil und Figuren. Der Gruppenvertrag hält die daraus ausgewählten Absprachen griffbereit und beschreibt, wie sie später verändert werden. Du kannst ihn in der Session Zero schreiben, nach einem Probetermin ergänzen oder mit einer bestehenden Runde neu aufsetzen. Dieses Kapitel wiederholt deshalb weder den vollständigen Auftakt noch die Figurenentwicklung.
Eine Vereinbarung ersetzt außerdem kein Gespräch. Wenn jemand regelmäßig fehlt oder eine Absprache verletzt, kannst du den Text als gemeinsamen Bezugspunkt nutzen. Er erklärt aber nicht automatisch, warum etwas passiert ist, und löst den Konflikt nicht für euch. Schreibe deshalb kein Strafregister und keine Liste, mit der die Spielleitung Recht behalten soll.
Fiktives Beispiel: In der Runde „Die Laternenwacht“ steht zunächst: „Wir nehmen das Spiel ernst.“ Eine Person versteht darunter pünktliche Teilnahme, eine andere ausführliche Rollenmonologe. Erst die Sätze „Wir sagen bekannte Ausfälle sofort im Rundenkanal ab“ und „Wir lassen die sprechende Person ihren Gedanken beenden“ machen zwei konkrete Erwartungen sichtbar. Ob die Runde viel oder wenig Rollenrede möchte, klärt sie getrennt.
Eine kurze Erstfassung und was sie verändert
Du kannst mit wenigen Sätzen beginnen und erst bei einem tatsächlichen Bedarf ergänzen. Die folgende eigene Arbeitshilfe ist ebenfalls vollständig fiktiv. Sie zeigt eine erste Fassung der Laternenwacht; das ausführliche Muster weiter unten hält zusätzliche Entscheidungen fest.
Die Laternenwacht - erste gemeinsame Fassung
Wir spielen jeden zweiten Donnerstag von 19 bis spätestens 22 Uhr,
mit einer Pause gegen 20:15.
Bis Dienstag 20 Uhr melden wir Ja, Nein oder noch unsicher im Rundenkanal.
Bekannte Ausfälle melden wir sofort; private Gründe müssen wir nicht nennen.
Tom bestätigt am Mittwoch das Format: Hauptspiel mit Lea und mindestens
drei Spielenden, sonst ein freiwilliger anderer Spielabend.
Fehlende Figuren bleiben im Hintergrund; ihre persönlichen Schlüsselszenen warten.
Wir lassen Beiträge ausreden. Jede Person kann Pause sagen; wir halten sofort an,
lassen Inhalte aus oder passen sie an. Persönliche Grenzen dürfen sich ändern.
Lea bereitet das Spiel vor, Tom pflegt Termine; den Stand sammeln wir gemeinsam.
Bei Regelfragen erklärt Lea eine vorläufige Auslegung vor der Handlung.
Wir notieren die Frage und benennen eine Person für die spätere Prüfung.
Dauerhafte Änderungen besprechen und bestätigen alle ausdrücklich.
Die aktuelle Notiz liegt im Rundenkanal; nach drei Abenden prüfen wir sie. Fiktive Anwendung: Vor dieser Fassung sagt Mina am Donnerstag ab. Die anderen diskutieren erst jetzt, ob die Runde ohne sie stattfinden soll; Lea weiß nicht, ob sie Minas geplante Schlüsselszene vorbereiten muss. Mit der gemeinsam bestätigten Fassung kann Tom die konkrete Besetzung prüfen: Lea und drei Spielende sind weiterhin verfügbar. Er aktualisiert die Nachricht im Rundenkanal. Lea legt Minas persönliche Szene auf einen späteren Abend und bereitet den gemeinsamen Ermittlungsschritt vor. Wäre nur eine Besetzung mit zwei Spielenden übrig, würde Tom stattdessen das vereinbarte freiwillige Ersatzformat anbieten. Die Absage verlangt damit keine neue Grundsatzentscheidung über die ganze Runde.
Nicht jede Kurzfassung braucht genau diese Sätze. Hat eure Gruppe noch offene Inhaltsabsprachen, müssen die vor dem entsprechenden Spiel geklärt werden; ein allgemeines Pausensignal ersetzt sie nicht. Für eine Runde mit vertretenen Figuren müsste außerdem deren Handlungsspielraum hinein. Der Maßstab ist die nächste tatsächliche Entscheidung: Welche Information muss die Runde dafür griffbereit haben?
Formulierung für den Tisch: „Ich möchte unsere Absprachen aufschreiben, damit wir später nicht raten müssen. Das ist ein Entwurf für uns alle. Welche Stelle würde für dich im Alltag nicht funktionieren?“
Gemeinsam von Bedürfnissen zu klaren Sätzen kommen
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenFür Einsteiger: Beginne mit einer echten Runde und ihrem nächsten Termin. Wenn du allein zehn Regeln formulierst und nur ein schnelles „Passt?“ erwartest, bleibt die Vereinbarung leicht dein Dokument. Bring stattdessen einen kurzen Vorschlag mit, kennzeichne ihn als Entwurf und lass alle sagen, was sie für die Teilnahme brauchen. Eine Person benötigt ein verlässliches Ende, eine andere kann wegen wechselnder Arbeitszeiten keine feste Zusage für mehrere Monate geben. Beides muss vor dem Beschluss sichtbar werden.
Geht die Punkte in dieser Reihenfolge durch:
- Bedarf nennen: Was muss praktisch möglich sein? Frage nach Start, Ende, Vorbereitung und Kommunikationswegen, nicht nach privaten Begründungen.
- Vorschlag machen: Formuliere einen Satz mit Anlass, Handlung und Zuständigkeit. „Wenn der Termin feststeht, trägt Kim ihn in unsere gemeinsame Terminnotiz ein“ lässt weniger offen als „Wir organisieren uns ordentlich“.
- An einem Fall prüfen: Was passiert bei einer Absage am Spieltag, einem verspäteten Einstieg oder einer strittigen Regel? Lest den Satz so, als müsstet ihr ihn heute anwenden.
- Einwände bearbeiten: Unterscheidet Unklarheit, Änderungswunsch und echte Unmöglichkeit. „Ich verstehe die Frist nicht“ braucht eine Erklärung. „Ich erfahre meinen Dienstplan erst später“ braucht möglicherweise eine andere Terminlogik.
- Aktiv bestätigen: Jede Person sagt oder schreibt, ob sie mit der fertigen Fassung spielen kann. Wer fehlt, bestätigt später; Schweigen im Chat wird nicht als Zustimmung gezählt.
Du musst nicht über alle Fragen gleichzeitig entscheiden. Wenn die Notiz immer länger wird, frage: „Brauchen wir das vor dem nächsten Spielabend, oder kann es als offener Punkt stehen bleiben?“ Notiere dann ausdrücklich, was noch offen ist und wann ihr es besprecht. Ein offener Punkt ist keine heimliche Erlaubnis, die bevorzugte Lösung einer Person durchzusetzen.
Fiktives Beispiel: Eine Runde schlägt „Absagen spätestens zwei Tage vorher“ vor. Mina kann das bei Bereitschaftsdiensten nicht zusichern. Nach dem Gespräch lautet die Absprache: „Bekannte Ausfälle melden wir sofort. Für den Termin melden wir bis Mittwoch, ob wir sicher dabei sind oder unsere Teilnahme noch unsicher ist. Am Donnerstag entscheidet die Terminperson nach unserer Mindestbesetzung, ob die Hauptrunde stattfindet.“ Die Gruppe hat jetzt einen Entscheidungszeitpunkt, ohne so zu tun, als wären kurzfristige Ausfälle vermeidbar.
Eine vorgelesene Fassung hilft, sperrige Sätze zu entdecken. Frage zum Abschluss jede Person nach einem praktischen Punkt, den sie verstanden hat, und nach einer verbleibenden Frage. Das ist keine Wissensprüfung. Du prüfst damit, ob euer Text tatsächlich dieselbe Handlung beschreibt.
Einwände hören und eine Fassung abschließen
Wenn bislang hauptsächlich du gesprochen hast, stelle drei getrennte Fragen: „Welcher Satz ist noch unklar?“, „Welche Absprache kannst du derzeit nicht zusagen?“ und „Mit welcher konkreten Fassung kannst du am nächsten Termin teilnehmen?“ Eine Verständnisfrage und eine unmögliche Teilnahmebedingung brauchen unterschiedliche Antworten. Lass eine kurze Denkpause und biete eine private Rückmeldung an, wenn eine Person ein Bedürfnis nicht vor allen erklären möchte. Notiert nur die für die Runde notwendige Änderung, nicht den privaten Gesprächsinhalt.
Fehlt eine Rückmeldung, bezeichnet den Entwurf weiterhin als unbestätigt. Für einen ersten Spielabend könnt ihr einen kleineren Rahmen vereinbaren, den die tatsächlich Teilnehmenden ausdrücklich mittragen; die abwesende Person bestätigt ihren Einstieg später. Bei einer bestehenden Runde wird eine neue dauerhafte Absprache durch ausbleibende Antworten nicht automatisch gültig. Bestehende Absprachen bleiben euer Bezugspunkt, soweit sie noch tragfähig sind. Sind sie nicht mehr machbar, klärt die Terminplanung oder eine Pause, statt fehlende Antworten als Erlaubnis auszulegen.
Termine, Absagen und ein verlässliches Ende vereinbaren
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenEin Termin besteht aus mehr als „jeden zweiten Freitag“. Klärt, wann ihr ankommt, wann das Spiel beginnt und wann es endet. Wenn jemand um 22 Uhr aufhören muss, darf „nur noch diese Szene“ nicht regelmäßig eine zusätzliche Stunde bedeuten. Eine feste Endzeit ist eine Grenze der Teilnahme, kein unverbindlicher Wunsch. Plant einen Abschluss ein: Zum Beispiel beginnt ihr zehn Minuten vor dem Ende keine neue größere Szene mehr und notiert den nächsten Ansatz.
Für den Rhythmus habt ihr zwei brauchbare Ausgangspunkte. Bei einem festen Termin wissen alle früh, welche Zeit sie freihalten sollen; einzelne Ausfälle behandelt ihr nach der vereinbarten Ausfallregel. Bei Terminabfragen braucht ihr einen Zeitraum für Antworten und eine Person, die das Ergebnis zusammenfasst. Ohne Abschluss kann die Abfrage dauerhaft offen bleiben. Nutzt die Variante, die zur tatsächlichen Verfügbarkeit passt. Ein monatlicher bestätigter Abend kann für eure Runde sinnvoller sein als ein wöchentlicher Plan, der ständig verschoben wird.
Schreibt den maßgeblichen Kanal auf. Ein Nebensatz in einem privaten Chat erreicht nicht automatisch die ganze Runde. Wenn jemand keinen Zugriff auf den Rundenkanal hat, vereinbart einen erreichbaren Ersatzweg und wer die Information weitergibt. Bei Online-Runden in verschiedenen Zeitzonen ergänzt ihr eine gemeinsame Zeitzone oder einen eindeutig datierten Kalendereintrag.
Unterscheidet Rückmeldefrist und Absage. Die Rückmeldefrist hilft beim Planen. Eine Person kann trotzdem danach krank werden, familiär gebraucht werden oder einen technischen Ausfall haben. Vereinbart deshalb „so früh wie bekannt“ und einen Weg für kurzfristige Nachrichten. Verlangt keine persönlichen Einzelheiten, um eine Absage zu akzeptieren. Wenn Ausfälle sich häufen, besprecht die Tragfähigkeit des Formats gesondert.
Fiktives Beispiel: Fünf Menschen verabreden Donnerstag 19:00 bis 22:00 Uhr. Am Dienstag sollen alle ihren Status melden. Sam schreibt „noch unsicher“, weil eine Dienständerung möglich ist. Die Terminperson plant nach der bestätigten Besetzung. Als Sam am Donnerstag endgültig absagt, fällt nicht automatisch die ganze Runde aus: Die vorher vereinbarte Mindestbesetzung entscheidet. Wäre nur noch eine spielende Person bestätigt, würde das vereinbarte Ersatzformat greifen.
Formulierungen für den Tisch: „Wir starten das Spiel um 19 Uhr; Ankommen ist ab 18:50 möglich.“ – „Wenn du später kommst, schreib uns kurz. Wir beginnen nach zehn Minuten mit der vorhandenen Besetzung.“ – „Um 21:50 sichern wir den Stand und beenden bis 22 Uhr.“
Vereinbart auch Pausen. Eine geplante Pause schließt zusätzliche kurze Unterbrechungen nicht aus. „Wir machen gegen 20:15 eine Pause; jede Person kann vorher eine Pause ansprechen“ ist verständlicher als „Wir spielen durch, wenn möglich“.
Fehlende Personen und ihre Figuren fair behandeln
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenLegt zuerst fest, ab welcher Besetzung das Hauptspiel stattfindet. Zählt dabei ausdrücklich, ob ihr Spielende ohne Spielleitung meint. „Mindestens drei“ bleibt sonst mehrdeutig. Wenn die Spielleitung fehlt, braucht es entweder eine vereinbarte Vertretung oder ein anderes Format; die übrigen Personen können keine vorbereitete Hauptrunde einfach voraussetzen.
Eine Mindestbesetzung beantwortet noch nicht, ob die geplante Szene geeignet ist. Ihr könnt mit drei Spielenden weiterspielen und trotzdem eine persönliche Szene aufschieben, deren zentrale Person fehlt. Ergänzt deshalb eine inhaltliche Ausnahme: Welche wichtigen Entscheidungen vertagt ihr? Das kann die Auflösung eines Figurenkonflikts, ein ausdrücklich angekündigter Kampagnenabschluss oder die Auswahl eines langfristigen Gruppenziels sein. Vermeidet die Regel „Nur wenn alle da sind passiert etwas Wichtiges“, wenn ihr sonst kaum noch vorankommt. Nennt die Ausnahme so eng wie nötig.
Danach klärt ihr den Umgang mit abwesenden Figuren. Drei Möglichkeiten sind besonders leicht zu unterscheiden:
- Im Hintergrund: Die Figur begleitet die Gruppe, liefert aber keine entscheidenden Beiträge. Ihr beschreibt sie nur so weit, wie der Übergang es braucht.
- Außerhalb der Szene: Die Figur erledigt eine Nebenaufgabe oder kehrt zum nächsten Einstieg zurück. Das passt, wenn sich die Trennung in eurem Spiel gut erklären lässt.
- Begrenzt vertreten: Eine vorher benannte Person übernimmt einzelne Handlungen. Dafür braucht ihr ausdrückliche Grenzen: Was darf sie entscheiden, welche Ressourcen einsetzen und welche Risiken eingehen?
Die dritte Möglichkeit ist keine automatische Erlaubnis zu dauerhaften Figurenentscheidungen. Wenn ihr Vertretung nutzt, haltet beispielsweise fest: „Keine endgültigen Beziehungen, keine großen Anschaffungen und keine zusätzlichen freiwilligen Risiken ohne vorherige Rücksprache.“ Passt das an eure tatsächliche Spielweise an.
Fiktives Beispiel: Noors Figur ist die einzige Person, die den verschwundenen Bruder eines Auftraggebers kennt. Noor fehlt am nächsten Abend. Die Gruppe nutzt die Zeit, um den Suchort zu erkunden, und legt die persönliche Begegnung auf den nächsten Termin. Sie darf Spuren finden; sie entscheidet aber nicht stellvertretend, dass Noors Figur den Bruder des Auftraggebers verraten hat. Die Ausfallregel hält Bewegung im Abenteuer und begrenzt fremde Figurenentscheidungen.
Schreibt außerdem auf, wie jemand wieder einsteigt. Eine kurze Zusammenfassung vor dem nächsten Termin reicht oft: Was wurde entschieden, was ist unmittelbar gefährlich und wo steht die Gruppe? Niemand sollte nach einer Absage erst ein vollständiges Sitzungsprotokoll nacharbeiten müssen, wenn ihr das nie vereinbart habt.
Umgang, Grenzen und Unterbrechungen konkret machen
Einsteiger Fortgeschritten Erfahren„Respektvoll miteinander umgehen“ ist eine gute Absicht. Für den Vertrag brauchst du zusätzlich beobachtbare Handlungen. Lasst eine Person ausreden. Fragt nach, bevor ihr ihre Figur umdeutet. Trennt Kritik an einer Entscheidung von einer Abwertung der Person. Wenn Nebenunterhaltungen den aktuellen Beitrag überdecken, unterbrecht sie und gebt das Wort zurück.
Bei Online-Runden können verzögerter Ton und fehlende Blickkontakte dazu führen, dass mehrere Menschen gleichzeitig anfangen. Eine Absprache wie „Bei Überschneidungen hält die Spielleitung kurz an und fragt, wer zuerst fortsetzen möchte“ gibt euch ein Vorgehen. Sie macht die Spielleitung nicht zur Besitzerin aller Redezeit: Auch Spielende dürfen auf eine übergangene Person hinweisen.
Für Ablenkungen ist eine pauschale Forderung „Handys verboten“ oft weniger nützlich als eine gemeinsame Erwartung. Manche Menschen brauchen ein Gerät für ihren Figurenbogen, für Notizen oder für Erreichbarkeit. Klärt deshalb die Wirkung: „Nebentätigkeiten sollen andere Beiträge nicht unterbrechen. Wenn du für etwas länger weg musst, sag kurz Bescheid.“ Benötigte Hilfsmittel und individuelle Pausen behandelt ihr als Teilnahmebedingungen, nicht als mangelnde Disziplin.
Haltet das vereinbarte Vorgehen bei unangenehmen Inhalten fest, ohne in diesem Kapitel alle Methoden neu zu erklären. Die ausführlichere Vorbereitung gehört zur Session Zero. Im Vertrag steht vor allem: Welches Signal gilt? Wer reagiert darauf? Was geschieht unmittelbar? Wie kann eine Person etwas privat mitteilen? Persönliche Grenzen werden nicht per Mehrheitsabstimmung aufgehoben und eine frühere Zustimmung verpflichtet niemanden, eine Szene weiterzuspielen.
Eigene Arbeitsempfehlung: „Jede Person kann ,Pause‘ sagen oder im Spielchat schreiben. Wir halten sofort an. Niemand muss persönliche Gründe erklären. Wir klären nur, ob wir etwas auslassen, anders beschreiben, pausieren oder den Abend beenden.“ Falls eine private Nachricht vorgesehen ist, vereinbart zusätzlich, wer sie während des Spiels tatsächlich liest. Ein unbeobachteter Chat ist kein verlässlicher Unterbrechungsweg.
Fiktives Beispiel: In einer Ermittlungsszene bittet Alex darum, die Beschreibung eines Verletzten zu überspringen. Die Spielleitung beendet die Beschreibung und fasst nur den spielrelevanten Hinweis zusammen. Die Gruppe prüft anschließend, ob sie fortsetzen kann. Alex muss keine Biografie erzählen, und der Gruppenvertrag dient nicht als Argument, dass drastische Bilder früher einmal akzeptiert wurden.
Eine Notiz über Grenzen enthält nur die Information, die ihr für das Spiel braucht. Schreibt nicht auf, wer welchen privaten Hintergrund hat. Vereinbart, wer Zugriff auf eure Notizen erhält und dass ihr Fotos, Aufzeichnungen oder geteilte Spielberichte vorher mit den Beteiligten absprecht.
Rollen, Vorbereitung und Aufgaben verteilen
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenEin Gruppenvertrag kann der Spielleitung Arbeit abnehmen, wenn er Aufgaben tatsächlich verteilt. „Alle helfen mit“ reicht dafür nicht. Nennt eine verantwortliche Person oder eine Rotation und das erwartete Ergebnis. Eine Terminperson bestätigt den nächsten Termin; eine andere schreibt nach dem Abend drei Stichpunkte zu Entscheidungen und offenen Fragen. Für Snacks, Spielort und Technik könnt ihr ebenfalls eine einfache Zuständigkeit festhalten.
Unterscheidet dabei Spielleitung im Spiel und Organisation der Menschen. Dass du Situationen vorbereitest und die übrige Welt spielst, macht dich nicht automatisch zur Person, die jeder Absage hinterherläuft, den Raum bezahlt, alle Notizen schreibt und Konflikte allein klärt. Gleichzeitig kann eine andere Person organisatorische Verantwortung übernehmen, ohne dadurch die Entscheidungen der Spielleitung in der Spielwelt zu ersetzen.
Für Vorbereitung benennt ihr ein realistisches Mindestmaß. Bei einer Einstiegsrunde kann das heißen: „Keine Regelkenntnisse vorausgesetzt; lies die kurze Rundenbeschreibung und sag, wenn du Hilfe beim Figurenbogen brauchst.“ Bei einer bestehenden Kampagne kann es heißen: „Halte deinen aktuellen Figurenbogen bereit und lies vor dem Termin die kurze Zusammenfassung.“ Zusätzliche Texte, umfangreiche Weltinformationen oder das Ausarbeiten neuer Figuren sind eigene Aufgaben, die ihr mit Aufwand und Zeitpunkt absprecht.
Fiktives Beispiel: Lea leitet, Tom koordiniert Termine, und die Zusammenfassung rotiert zwischen den vier Spielenden. In der Vereinbarung steht: „Spätestens am folgenden Tag schreibt die zuständige Person drei bis fünf Stichpunkte: wichtigste Entscheidung, neue Namen, offene Frage.“ Als Tom verreist, nennt er eine Vertretung für die Terminbestätigung. Lea muss nicht nebenbei erraten, ob die Gruppe überhaupt stattfinden kann.
Verteilt Aufgaben nicht gegen die Möglichkeiten der Beteiligten. Wer beim Spielen schlecht gleichzeitig schreiben kann, könnte die Zusammenfassung nach dem Abend aus gemeinsamen Stichpunkten erstellen. Wer nicht hosten kann, kann vielleicht Termine pflegen. Der Maßstab ist eine ausführbare Verteilung, keine identische Menge an Aufgaben. Wenn eine Aufgabe niemand übernehmen möchte, kürzt sie oder besprecht offen, ob ihr sie überhaupt braucht.
Formulierung für den Tisch: „Ich kann die Runde vorbereiten, aber nicht jede Woche die Terminabfrage nachhalten. Wer übernimmt die Bestätigung? Falls niemand Zeit hat, brauchen wir einen einfacheren Rhythmus.“
Notiert auch, was bei einem Ausfall der Zuständigkeit geschieht. Eine einfache Vertretung oder der Satz „Dann fällt die ausführliche Zusammenfassung aus; wir sammeln zu Beginn gemeinsam den Stand“ ist ehrlicher als ein Plan, der nur funktioniert, solange dieselbe Person jede Lücke schließt.
Regeln und Entscheidungen während des Spiels klären
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenEuer Vertrag soll nicht das Regelwerk abschreiben. Er benennt, welche Regelgrundlage ihr nutzt, wo bestätigte Hausregeln stehen und wie ihr mit Unsicherheit umgeht. Eine Hausregel ist hier eine bewusst vereinbarte Abweichung oder Ergänzung. Sie sollte nicht erst sichtbar werden, nachdem jemand eine darauf beruhende Entscheidung getroffen hat.
Für Regelstreit gibt es unterschiedliche passende Abläufe. Ihr könnt kurz nachschlagen und dann entscheiden. Ihr könnt einer benannten Person die Suche übertragen. Oder die Spielleitung trifft eine vorläufige Entscheidung und ihr prüft sie nach dem Abend. Wählt bewusst, was euch wichtiger ist: verlässliche Detailklärung in der aktuellen Situation oder ein zügiger Fortgang. Legt eine praktische Grenze für die Recherche fest, beispielsweise „Wir suchen zunächst ungefähr zwei Minuten; danach klären wir, ob die Frage vor der Handlung entschieden werden muss.“ Die Zeitangabe ist eure eigene Vereinbarung, keine allgemeine Methode.
Unterscheidet eine unbedeutende Detailfrage von einer Entscheidung mit großen Folgen. Wenn eine ungeklärte Regel Tod, dauerhaften Verlust oder einen deutlich anderen Einsatz bedeuten könnte, soll die handelnde Person vorher wissen, worauf sie sich einlässt. Eine kurze Unterbrechung oder das Verschieben dieser Handlung kann dann sinnvoller sein als ein schneller Beschluss. Vereinbart, wer die Folgen erklärt und wie die betroffene Person ihren Plan anschließend anpassen darf.
Fiktives Beispiel: Jules möchte über einen Abgrund springen. Die Runde ist uneinig, ob eine vorbereitete Hilfsleine einen Bonus oder nur eine andere Folge bei einem Fehlschlag gibt. Die Spielleitung erklärt vor dem Wurf ihre vorläufige Auslegung. Jules darf den Plan daraufhin ändern. Nach dem Abend prüft eine benannte Person die Regel; die Gruppe entscheidet, ob sie diese Auslegung künftig übernimmt. Die Spielleitung erklärt sie nicht nachträglich zur schon immer gültigen Hausregel.
Formulierung für den Tisch: „Für diese Handlung würden wir es so lösen. Bevor du entscheidest: Bei einem Fehlschlag droht diese Folge. Ist dein Plan unter dieser Auslegung noch derselbe?“
Schreibt offene Fragen mit Verantwortlichkeit auf. „Mara schaut bis zum nächsten Termin die Bewegungsregel nach und schlägt eine Fassung vor“ ist überprüfbar. „Wir klären das irgendwann“ ist es nicht. Legt außerdem fest, ob eine neue Regel nur für kommende Situationen gilt und wie ihr offensichtlich missverstandene Folgen gemeinsam korrigiert. Rückwirkende Änderungen sind eine neue Absprache, kein alleiniger Verwaltungsakt.
Die Zuständigkeit für Regelentscheidungen gibt niemandem das Recht, persönliche Grenzen oder Teilnahmebedingungen zu übergehen. Dafür gilt das vereinbarte Unterbrechungs- und Änderungsverfahren.
Änderungen beschließen und die Notiz aktuell halten
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenEine gute Vereinbarung enthält ihr eigenes Änderungsverfahren. Benennt einen erreichbaren Ort für Vorschläge, einen Zeitpunkt für die Entscheidung und eine Person, die die bestätigte Fassung aktualisiert. Schreibt Version und Datum dazu. Es reicht zum Beispiel „Version 1, bestätigt nach dem Auftakt; nächste Prüfung nach drei Spielabenden“. Die Zahl der Abende ist eine selbst gewählte Orientierung. Ihr könnt früher nachsteuern, wenn etwas nicht funktioniert.
Auch ein Versuch braucht die aktive Zustimmung aller Beteiligten. Schreibt zusätzlich auf, wie lange er dauert und was anschließend gilt. Zum Beispiel: „Wir testen zwei Termine mit dem früheren Ende. Danach bestätigen wir die neue Zeit, vereinbaren eine andere tragfähige Fassung oder pausieren die Terminplanung.“ Eine abgelaufene Probephase verpflichtet niemanden, zur inzwischen unmöglichen alten Zeit zurückzukehren. Ohne die gemeinsame Anschlussentscheidung wird der Versuch nicht stillschweigend zur Dauerregel.
Trennt drei Fälle:
- Akute Unterbrechung: Eine Person benötigt eine Pause oder eine Inhaltsgrenze verändert sich. Ihr reagiert sofort. Die Person muss nicht auf das nächste Gruppengespräch warten.
- Vorläufige Entscheidung: Eine offene Detailregel wird für die aktuelle Situation geklärt. Sie wird mit einer späteren Prüfung notiert und verändert den Vertrag nicht automatisch.
- Dauerhafte Änderung: Terminrhythmus, Teilnahmeerwartungen, Hausregeln oder Aufgaben sollen künftig anders sein. Ihr besprecht den Vorschlag und holt aktive Zustimmung der betroffenen Runde ein.
Für die Vorlage dieses Kapitels gilt als eigene Arbeitsempfehlung: Wesentliche dauerhafte Änderungen werden erst übernommen, wenn alle Beteiligten ausdrücklich zustimmen. Das ist einfach zu verstehen und macht eine fehlende Antwort sichtbar. Wenn eure Runde für bestimmte kleine Organisationsfragen stattdessen Mehrheitsentscheidungen nutzen möchte, vereinbart vorher den genauen Bereich und die Rückmeldefrist. Eine Mehrheit kann daraus keine Pflicht ableiten, außerhalb der eigenen Verfügbarkeit teilzunehmen oder über eine persönliche Grenze hinwegzuspielen.
Wenn keine gemeinsame Fassung entsteht, darf der Entwurf offen bleiben. Prüft einen engeren Versuch, eine Alternative oder eine Pause. Könnt ihr den bisherigen Rahmen nicht mehr tragen, ist „Dann gilt eben alles weiter“ keine Lösung. Ihr müsst das Format oder die Teilnahme neu besprechen. Ein Unterschied in Bedürfnissen bedeutet nicht automatisch, dass jemand unzuverlässig oder schwierig ist.
Fiktives Beispiel: Nach drei Abenden bittet Rami darum, künftig um 21:30 statt um 22 Uhr zu enden. Zwei andere wünschen dieselbe Spielmenge. Die Gruppe prüft einen früheren Start, findet dafür aber keine gemeinsame Zeit. Sie vereinbart einen kürzeren Abend für die nächsten zwei Termine und einen anschließenden Vergleich. Die neue Fassung nennt Start, Ende, Versuchsdauer und Prüftermin. Rami muss während des Versuchs nicht doch länger bleiben, damit die anderen mehr Zeit erhalten.
Formulierung für den Tisch: „Der Vorschlag würde unsere Endzeit verändern. Bitte bestätigt ausdrücklich, ob ihr mit dieser Fassung spielen könnt. Bis wir das geklärt haben, planen wir keinen Termin mit einer späteren Endzeit.“
Bewahrt frühere Fassungen nur als Orientierung auf. Markiert die aktuelle eindeutig und verlinkt sie an einer festen Stelle. Neue Personen sollen nicht aus einer langen Chatgeschichte rekonstruieren müssen, welcher Satz zuletzt geändert wurde.
Kopierbare Vorlage für euren Gruppenvertrag
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenEigene WE20-Arbeitshilfe: Diese Vorlage wurde für dieses Kapitel zusammengestellt. Sie ist kein fremdes Originalverfahren und keine Garantie, dass eure Runde konfliktfrei läuft. Nutze sie als auswählbaren Feldvorrat: Die kurze Erstfassung am Kapitelanfang ist ein möglicher Start; hier findest du die Felder für zusätzliche Entscheidungen. Kopiere nur die benötigten Punkte in eure gemeinsame Notiz. Ersetze die Klammern durch konkrete Absprachen und streiche, was ihr nicht braucht. Fügt nur Punkte hinzu, bei denen eine tatsächliche Entscheidung notwendig ist.
UNSERE SPIELVEREINBARUNG
Runde: [Name / Format]
Version und Datum: [Stand]
Gemeinsam bestätigt von: [Beteiligte; keine Unterschrift nötig]
Aktuelle Notiz liegt hier: [Ort mit Zugriff für alle]
1. Gemeinsamer Rahmen
Wir spielen [Spielidee und Ton in einem Satz].
Wir erwarten [konkrete Zusammenarbeit, z. B. gemeinsame Ziele].
Offene Fragen zum Start: [Frage; wer klärt sie; bis wann].
2. Termine und Kommunikation
Rhythmus / Terminfindung: [Vorgehen].
Ankommen: [Zeit]. Spielbeginn: [Zeit]. Ende spätestens: [Zeit].
Pausen: [geplant; zusätzliche Pausen ansprechbar].
Verbindlicher Kanal: [Ort]. Ersatzweg bei Ausfall: [Weg].
Teilnahmestatus bis: [Zeitpunkt; Ja / Nein / noch unsicher].
Den Termin bestätigt: [Person / Rotation und Zeitpunkt].
Bekannte Absagen melden wir sofort, kurzfristige ebenso.
Bei Verspätung: [Nachricht, Wartezeit, Einstieg].
3. Fehlende Personen
Hauptspiel ab [Zahl] Spielenden, zusätzlich [Spielleitung].
Bei fehlender Spielleitung oder zu kleiner Besetzung: [Alternative].
Wir vertagen [konkret benannte persönliche / wichtige Entscheidungen].
Abwesende Figuren: [Hintergrund / außerhalb / begrenzte Vertretung].
Vertretung darf [Umfang] und darf nicht [Grenzen].
Zusammenfassung für den Wiedereinstieg: [wer; was; wann].
4. Umgang und Unterbrechung
Wir [konkrete Handlungen: ausreden lassen, Beiträge aufnehmen ...].
Ablenkungen / Erreichbarkeit: [alltagstaugliche Absprache].
Figurenkonflikte: [was erlaubt ist; vorherige Zustimmung].
Unsere Inhaltsabsprachen liegen [Ort; nur nötige Informationen].
Unterbrechungssignal: [Wort / Zeichen; erreichbarer privater Weg].
Nach dem Signal: [sofort anhalten; auslassen / anpassen / Pause].
Persönliche Gründe müssen nicht erläutert werden.
Persönliche Grenzen werden nicht überstimmt und dürfen sich ändern.
Fotos, Aufzeichnungen und geteilte Berichte: [vorherige Absprache].
5. Vorbereitung und Aufgaben
Vorbereitung der Spielleitung: [realistischer Umfang].
Vorbereitung der Spielenden: [realistischer Umfang; Hilfsweg].
Termine: [Person]. Notizen: [Person / Rotation und Kurzformat].
Spielort / Technik / Material: [Zuständigkeiten, soweit benötigt].
Bei Ausfall einer Aufgabe: [Vertretung oder vereinfachtes Vorgehen].
6. Regeln
Regelgrundlage und bestätigte Hausregeln: [Bezeichnung / Notiz].
Bei einer offenen Frage: [kurze Prüfung; wer entscheidet vorläufig].
Vor großen Folgen: [Auslegung erklären; Planänderung ermöglichen].
Nachprüfung: [wer notiert / recherchiert; bis wann].
Neue Regeln gelten [ab wann]; Korrekturen besprechen wir gemeinsam.
7. Änderungen, Einstieg und Ausstieg
Vorschläge sammeln wir [Ort]. Besprechen: [Zeitpunkt].
Dauerhafte wesentliche Änderungen benötigen [aktive Zustimmung aller].
Persönliche Grenzen und akute Pausen gelten unmittelbar.
Die bestätigte Fassung aktualisiert [Person].
Probeänderung: [was; aktive Zustimmung; Dauer; Prüftermin;
Vorgehen ohne Anschlussentscheidung].
Nächste gemeinsame Prüfung: [Termin / nach ... Spielabenden].
Neue Personen: [Notiz erklären; Fragen; gemeinsame Bestätigung].
Längere Pause oder Ausstieg: [kurze Nachricht; kein privater Grund nötig].
Danach klären wir [Besetzung, offene Aufgaben, Figurenabschluss]. Prüft die ausgefüllte Fassung an zwei Fällen: Eine Person sagt eine Stunde vor Beginn ab; eine andere möchte künftig eine halbe Stunde früher gehen. Wenn ihr daraus nicht erkennt, wer was tut, präzisiert die entsprechende Zeile. Wenn ihr fünf Zusatzregeln nur für äußerst seltene Sonderfälle braucht, prüft zuerst, ob ein Gespräch im Anlassfall genügt.
Lass alle die fertige Notiz erreichen und aktiv bestätigen. Noch offene Felder sind Arbeitspunkte und keine beschlossenen Regeln. Ein kurzes Gespräch zu ihnen ist hilfreicher als eine scheinbar vollständige Vorlage mit ungeprüften Standardantworten.
Vollständig fiktives Muster: Die Laternenwacht
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenDas folgende Muster ist vollständig erfunden: Runde, Personen, Verfügbarkeit und Entscheidungen sind keine Berichte über reale WE20-Mitwirkende. Es zeigt eine kleine Kampagne mit einer Spielleitung und vier Spielenden. Die Absprachen passen zu dieser erfundenen Gruppe; übernehmt nicht ihre Zeiten und Aufgaben, wenn sie für euch unpraktisch sind.
SPIELVEREINBARUNG: DIE LATERNENWACHT
Version 1, gemeinsam nach dem Auftakt bestätigt.
Beteiligte: Lea (Spielleitung), Tom, Mina, Noor und Jules.
Aktuelle Fassung: angeheftete Notiz im privaten Rundenkanal.
Rahmen
Wir spielen eine Ermittlungskampagne in einer erfundenen Hafenstadt.
Der Ton ist spannend, mit Raum für Humor und gemeinsame Entscheidungen.
Die Figuren haben einen Grund, zusammenzuarbeiten.
Konflikte zwischen Figuren stimmen die Beteiligten außerhalb der Rolle ab.
Diebstahl, Sabotage und Angriffe gegeneinander sind nicht Teil der Runde.
Termine
Wir spielen jeden zweiten Donnerstag: Ankommen ab 18:50,
Spielbeginn 19:00, Ende spätestens 22:00 Uhr.
Gegen 20:15 machen wir zehn Minuten Pause; zusätzliche Pausen sind möglich.
Um 21:50 sichern wir den Stand und beginnen keine größere neue Szene.
Bis Dienstag 20:00 melden alle Ja, Nein oder noch unsicher im Rundenkanal.
Tom bestätigt am Mittwoch bis 18:00 die Besetzung und das Format.
Bei einem Ausfall des Kanals geht eine Kurznachricht an Tom oder Lea;
die erreichte Person informiert die anderen über den Ersatzweg.
Bekannte Ausfälle melden wir sofort. Private Gründe sind nicht nötig.
Bei Verspätung schreiben wir eine Nachricht; nach zehn Minuten starten wir.
Lea bietet einen Einstieg an, sobald die aktuelle Szene es zulässt.
Ausfälle
Die Hauptrunde findet mit Lea und mindestens drei Spielenden statt.
Unsichere Zusagen zählen bei der Bestätigung nicht als feste Teilnahme.
Bei kleinerer Besetzung schlägt Tom einen freiwilligen anderen Spielabend vor.
Ohne Lea findet keine Hauptrunde statt; es gibt keine feste Vertretung.
Fehlende Figuren bleiben im Hintergrund und übernehmen keine Risiken.
Persönliche Schlüsselszenen und der Kampagnenabschluss werden vertagt,
wenn eine dafür zentrale Person fehlt; andere Szenen dürfen weitergehen.
Vor dem nächsten Abend geben wir der zurückkehrenden Person den Stand.
Umgang
Wir lassen Beiträge ausreden und weisen auf übergangene Personen hin.
Bei längerem Weggehen oder Nebentätigkeiten sagen wir kurz Bescheid.
Figurenbögen und nötige Erreichbarkeit auf Geräten sind in Ordnung.
Ausführliche Verletzungsbeschreibungen lassen wir aus.
Weitere Inhaltsabsprachen halten wir ohne private Hintergründe fest.
Jede Person kann Pause sagen oder PAUSE in den Spielchat schreiben.
Lea behält den Spielchat im Blick; wenn das nicht möglich ist, nutzen wir
das gesprochene Signal oder vereinbaren vor Beginn eine andere zuständige Person.
Wir halten sofort an und klären Auslassen, Änderung, Pause oder Ende.
Gründe müssen nicht erklärt werden; neue Grenzen gelten sofort.
Fotos oder Aufzeichnungen brauchen vorher die Zustimmung der Beteiligten.
Spielberichte verlassen den privaten Rundenkanal nur nach gemeinsamer Absprache.
Aufgaben
Lea bereitet die nächste Spielsituation vor und nennt benötigtes Material.
Alle halten ihren aktuellen Figurenbogen bereit; Fragen sind willkommen.
Tom pflegt Termine. Ist er verhindert, fragt er Mina nach einer Vertretung.
Die Zusammenfassung rotiert: Tom, Mina, Noor, Jules.
Sie enthält bis zum Folgetag drei bis fünf Stichpunkte zu Entscheidungen,
neuen Namen und offenen Fragen. Bei Ausfall sammeln wir den Stand am Tisch.
Regeln
Die gemeinsame Regelnotiz nennt unsere Regelgrundlage und Hausregeln.
Offene Detailregeln prüfen wir kurz; Lea entscheidet nötigenfalls vorläufig.
Vor großen Folgen erklärt Lea die Auslegung. Der Plan darf angepasst werden.
Tom notiert die Frage. Wir benennen am Abend eine freiwillige Person,
die sie bis zum nächsten Termin prüft. Übernimmt niemand, bleibt sie offen
und wird vor der nächsten betroffenen Handlung erneut geklärt.
Neue Hausregeln gelten erst für kommende Situationen nach gemeinsamer Zustimmung.
Nötige Korrekturen bisheriger Folgen besprechen wir gesondert.
Änderungen und Teilnahme
Vorschläge kommen in den Rundenkanal; wir besprechen sie vor oder nach dem Spiel.
Wesentliche dauerhafte Änderungen bestätigen alle ausdrücklich.
Eine fehlende Antwort ist noch keine Zustimmung.
Tom aktualisiert Datum und Version. Erste gemeinsame Prüfung: nach drei Abenden.
Pausen und persönliche Grenzen brauchen keinen solchen Beschluss.
Neue Personen lesen die Notiz; wir erklären sie und klären Einwände vor dem Einstieg.
Für längere Pausen oder einen Ausstieg reicht eine kurze Nachricht.
Danach verteilen wir Aufgaben neu und besprechen einen passenden Figurenabschluss. Warum sind einige Sätze so genau? „Mindestens drei Spielende zusätzlich zu Lea“ vermeidet eine unklare Zählung. Die Terminzusage hat einen Abschluss, und eine unsichere Zusage wird nicht als feste Besetzung behandelt. Noors Figur kann fehlen, ohne dass ihre wichtigsten Beziehungen stellvertretend entschieden werden. Schließlich hat die Regelnotiz eine klar begrenzte Funktion: Sie ergänzt den Gruppenvertrag, statt ihn mit jedem Detail zu verlängern.
Fiktiv durchgespielt: Die Zusammenfassung gemeinsam ändern
Nach dem zweiten Abend spricht Mina den Satz „bis zum Folgetag drei bis fünf Stichpunkte“ an. „Am Folgetag kann ich nichts aufschreiben. Und wenn ich während einer Szene ausführlich mitschreibe, verpasse ich die Beiträge der anderen. Ich kann die vereinbarte Aufgabe so nicht gut übernehmen.“ Die Gruppe diskutiert nicht, ob Minas Gründe ausreichend sind. Sie klärt, welchen Stand sie tatsächlich braucht und wann er verfügbar sein muss.
Tom fragt: „Brauchen wir direkt am nächsten Tag eine fertige Notiz, oder reicht sie vor dem nächsten Spielabend? Was müssen wir festhalten, bevor wir es vergessen?“ Lea benötigt vor allem die letzte Entscheidung und den nächsten Ansatz für ihre Vorbereitung. Noor möchte neue Namen wiederfinden können. Niemand braucht eine vollständige Chronik.
Die fiktive Gruppe prüft drei Alternativen. Sie könnte Mina aus der Rotation nehmen; dann müssten die anderen die Aufgabe häufiger übernehmen. Das wäre möglich, wenn sie es ausdrücklich möchten, ist aber keine automatisch gerechte Lösung. Sie könnte Mina eine spätere Frist geben; der Stand wäre dann länger nur aus Erinnerungen verfügbar. Das könnte passen, wenn niemand die Notiz vorher benötigt. Oder alle sammeln vor dem Ende drei Stichpunkte gemeinsam und die Person der Rotation überträgt nur diese Kurzfassung. Diese Variante braucht einige Minuten im Sitzungsabschluss, reduziert dafür die individuelle Nacharbeit.
Die Gruppe wählt die gemeinsame Kurzfassung, weil sie ohnehin zehn Minuten vor Ende den Spielstand sichert. Sie nutzt diesen vorhandenen Zeitpunkt und fügt keine zusätzliche Sitzung an. Der neue Satz lautet:
Vor dem Ende sammeln wir gemeinsam drei Stichpunkte:
die wichtigste Entscheidung, einen neuen Hinweis und eine offene Frage.
Die Person der Rotation überträgt diese Kurzfassung bis Sonntag in die Notiz.
Zusätzliche Namen ergänzen wir nur, wenn sie für den Wiedereinstieg nötig sind.
Wir testen das an den nächsten zwei Spielabenden. Danach bestätigen wir
die Fassung oder vereinbaren eine andere machbare Aufgabenverteilung.
Ohne Anschlussentscheidung verteilen wir diese Aufgabe vor dem nächsten Termin neu;
die frühere Folgetagsfrist gilt für Mina nicht automatisch wieder. Alle bestätigen den Versuch ausdrücklich, Tom notiert ihn als Version 2 mit einem Prüftermin. Mina übernimmt die Übertragung am ersten Testabend freiwillig, damit sie die neue Aufgabe selbst erproben kann. Danach setzt die Rotation bei Noor fort. Beim nächsten Abend fragt Lea um 21:50 nach der entscheidenden Wahl. Jules nennt den neuen Hinweis, Noor die offene Frage. Mina kann daraus die drei Stichpunkte übertragen, ohne das ganze Spiel nachzuerzählen.
Am Prüftermin fragt die Gruppe: War die Notiz vor der nächsten Vorbereitung verfügbar? Reichten die Stichpunkte für den Wiedereinstieg? War die Übertragung für Mina tatsächlich machbar? Falls nur neue Namen fehlen, ergänzt sie dieses Feld. Falls die Aufgabe weiterhin nicht funktioniert, muss sie eine andere Verteilung finden. Der Versuch ist eine Möglichkeit zur Klärung, kein Beweis, dass Mina die neue Aufgabe nun dauerhaft schaffen muss.
Kurzformat, Online-Runde und wechselnde Besetzung anpassen
Fortgeschritten ErfahrenFür Fortgeschrittene und Erfahrene: Passe den Vertrag an das Format an. Nicht jede Runde braucht dieselben Aufgaben und denselben Prüfturnus. Behalte vor allem die Punkte, die eine tatsächliche Unsicherheit beantworten.
Für einen einmaligen Abend reichen oft ein gemeinsamer Rahmen, Ende und Pausen, Umgang, Unterbrechungssignal sowie die Regel für kurzfristige Ausfälle. Die Kürze betrifft die Notiz, nicht die Aufmerksamkeit für Grenzen. Eine passende Ansage wäre: „Wir spielen heute bis 22 Uhr, machen in der Mitte eine Pause und helfen beim Einstieg. Wenn etwas nicht passt, sag Pause. Wir halten an und klären eine Anpassung. Bei Regelfragen erkläre ich eine vorläufige Entscheidung vor euren Handlungen.“ Ergänze vor Beginn, was bei fehlenden Personen gilt. Ein einmaliges Format braucht keine dauerhafte Notizrotation und keinen Änderungsbeschluss nach drei Abenden.
Bei einer Online-Runde ergänzt ihr den technischen Ausfallweg: Wer behält den Spielchat im Blick? Wie lange wartet ihr bei einer unterbrochenen Verbindung? Kann die Person per Nachricht Bescheid geben? Wird ohne sie weitergespielt? Kamera, Ton und genutzte Hilfsmittel sind konkrete Teilnahmebedingungen. Vereinbart nur das, was ihr tatsächlich braucht. „Kamera optional, hörbarer Ton nötig; bei Verbindungsproblemen Nachricht im Rundenkanal“ ist klarer als „Gute Technik vorausgesetzt“.
Fiktives Beispiel: Eine Online-Gruppe wartet bei einem Verbindungsabbruch fünf Minuten und pausiert in dieser Zeit die betroffene Szene. Danach spielt sie eine andere Szene, solange ihre Mindestbesetzung erfüllt ist. Die abgeschnittene Person soll nicht parallel im unbekannten Zustand ihre Figur weiterspielen müssen. Kann sie nur noch schreiben, klärt die Runde, ob das für diesen Abend praktikabel ist.
Bei wechselnder Besetzung brauchst du einen stabilen gemeinsamen Kern und eine Bestätigung für jeden Termin. Der Kern enthält Umgang, Grenzen, Regeln und Teilnahmebedingungen. Die Terminnotiz nennt Besetzung, Leitung, Dauer und erforderliche Vorbereitung. Neue Menschen erhalten beide, bevor sie zusagen. Eine alte Zustimmung aller früheren Beteiligten reicht nicht für jemanden, der die Absprachen noch nie gesehen hat.
Bei wechselnder Spielleitung klärt außerdem, welche Regeln für alle Termine gelten und welche Änderungen eine einzelne Leitung vorschlagen darf. Eine Person sollte gemeinsame Figuren oder Ressourcen nicht mit einer überraschenden Sonderregel dauerhaft verändern. Legt die für diesen Abend geltenden Abweichungen vorher offen und beschreibt, ob ihre Folgen in das gemeinsame Spiel übernommen werden.
Ein vorhandener Freundeskreis braucht diese Klärungen ebenfalls, wenn Bedürfnisse auseinandergehen. Ihr könnt die Notiz sehr kurz halten. Vertrautheit ersetzt aber nicht die Frage, ob der neue Rhythmus oder die zusätzliche Vorbereitung für alle möglich ist.
Bestehende Absprachen bei Problemen neu verhandeln
Fortgeschritten ErfahrenFür Fortgeschrittene und Erfahrene: Wenn der Vertrag wiederholt nicht zum Alltag passt, beginne mit dem konkreten Ablauf. „An den letzten beiden Terminen wussten wir zum geplanten Start nicht, wer dabei ist“ ist hilfreicher als „Du nimmst die Runde nicht ernst“. Beschreibe die Auswirkung, frage nach dem organisatorischen Bedarf und suche einen ausführbaren nächsten Schritt. Private Ursachen muss die Person dafür nicht offenlegen.
Unterscheide drei Schwierigkeiten. Vielleicht ist der Text unklar: „rechtzeitig“ bezeichnet für verschiedene Menschen verschiedene Zeitpunkte. Vielleicht ist die Absprache nicht mehr machbar: Die Arbeitssituation hat sich geändert. Oder eine klare, machbare Absprache wird nicht eingehalten. Beim ersten Fall präzisiert ihr. Beim zweiten verändert ihr Rhythmus, Rolle oder Format. Beim dritten braucht es ein Gespräch darüber, ob die Person die konkrete Erwartung künftig mittragen kann.
Fiktives Beispiel: Ben kommt wiederholt eine halbe Stunde später. Die Gruppe hat bisher nur „Start 19 Uhr“ aufgeschrieben. Im Gespräch erfährt sie nicht Bens private Einzelheiten, sondern nur: Er kann zuverlässig erst ab 19:30 teilnehmen. Zwei andere müssen um 22 Uhr enden. Die Gruppe prüft einen späteren Einstieg für Ben, ein anderes Format und einen anderen Termin. Für die nächsten zwei Abende beginnt sie um 19 Uhr mit einer kurzen gemeinsamen Planung; Ben steigt um 19:30 ein. Beim Prüftermin entscheidet sie, ob diese Variante für alle trägt. Niemand nennt das eine Lösung, bevor die Beteiligten sie ausprobiert und bewertet haben.
Fiktiv durchgespielt: Die Rückmeldefrist bleibt unbeachtet
Jules hat ausdrücklich gesagt, dass eine Rückmeldung bis Dienstag machbar ist. Trotzdem fehlt sein Status bei den nächsten beiden Bestätigungen. Tom schickt mehrere Privatnachrichten hinterher und weiß am Mittwoch weiterhin nicht, ob er die Hauptsitzung bestätigen kann. Hier ist nicht zunächst die Frist unklar, sondern der gemeinsam vereinbarte Ablauf kommt nicht zustande.
Tom beschreibt die Auswirkung: „Bei den letzten beiden Terminen fehlte deine Antwort. Ich konnte die Besetzung nicht bestätigen und habe mehrfach nachgefragt. Du hattest gesagt, dass Dienstag für dich machbar ist. Welche konkrete Änderung hilft dir, dann eine Rückmeldung zu geben?“ Jules möchte eine eigene Kalendererinnerung setzen. Tom prüft, ob damit auch die Zuständigkeit klar bleibt: Jules erinnert sich selbst; Tom übernimmt nicht die persönliche Terminpflege aller.
Sie vereinbaren für zwei Termine: Wenn bei der Bestätigung kein Status vorliegt, gilt die Teilnahme als unbestätigt. Tom plant anhand der bestätigten Personen und schickt keine weiteren Erinnerungsnachrichten. Meldet sich Jules danach doch, klären sie kurz, ob der angekündigte Abend ihn noch aufnehmen kann. Eine frühere fehlende Antwort wird nicht in eine automatische Zusage umgedeutet. Die Gruppe bestätigt diesen Ablauf gemeinsam und hält den Prüftermin fest.
Alternativ könnte die Runde eine einzige gemeinsame Erinnerung für alle vereinbaren, wenn jemand diese Aufgabe übernehmen möchte. Sie könnte eine längere Rückmeldefrist wählen, wenn diese die Planung noch erlaubt. Eine pauschale Strafregel löst dagegen nicht die Frage, wie eine tatsächliche Zusage zustande kommt. Wenn auch der vereinbarte Versuch nicht funktioniert, besprecht ihr einzelne offene Termine, eine Pause oder ein anderes Format. Der Satz „Wir können deine Teilnahme ohne Antwort nicht einplanen. Möchtest du für einzelne Abende anfragen?“ benennt eine praktische Alternative, ohne Jules private Lebensführung zu bewerten.
Formulierung für den Tisch: „Unsere aktuelle Absprache sieht eine Zusage bis Dienstag vor. Sie hat zuletzt nicht funktioniert, und wir konnten nicht planen. Ist diese Frist für dich machbar? Wenn nicht, brauchen wir jetzt eine andere klare Lösung.“
Ihr müsst nicht jede Runde in derselben Besetzung erhalten. Wenn sich ein gemeinsamer Rahmen nicht finden lässt, könnt ihr eine Pause, einen Wechsel des Formats oder einen Ausstieg besprechen. Legt fest, wie ihr offene Aufgaben übergebt und ob eine Figur noch einen gemeinsamen Abschluss erhält. Ein Abschluss darf angeboten werden; niemand muss dafür eine unangenehme Runde weiter besuchen.
Bei Abwertung oder übergangenen Grenzen genügt es nicht, die nächste reguläre Prüfung abzuwarten. Unterbrecht die Situation und benennt das Verhalten. Die betroffene Person muss kein gemeinsames Konfliktgespräch führen, um eine Pause nehmen oder aussteigen zu dürfen. Der Vertrag ist eine Hilfe zur Orientierung; er ist kein Grund, eine offensichtlich untragbare Situation fortzusetzen.
Nach einer Überarbeitung prüft ihr den konkreten Unterschied: Was wird ab dem nächsten Termin anders getan, wer übernimmt es und wann schaut ihr wieder darauf? Eine neue Formulierung ohne veränderten Ablauf ist noch keine brauchbare Anpassung.
Typische Fehler erkennen und beheben
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenDer Text besteht aus guten Absichten. „Fair sein“, „verlässlich spielen“ und „gemeinsam Spaß haben“ sagen noch nicht, was bei einer Absage oder einem unterbrochenen Beitrag geschieht. Ergänze für jeden wichtigen Punkt eine beobachtbare Handlung. Frage: „Woran würden wir am nächsten Abend erkennen, dass wir uns daran halten?“
Der Vertrag gehört nur der Spielleitung. Eine fertige Liste mit einem anschließenden Nicken kann verdecken, dass jemand die Anforderungen nicht erfüllen kann. Kennzeichne den Entwurf, lass Alternativen zu und hole eine aktive Rückmeldung jeder Person ein. Wenn du ein festes Angebot mit unveränderbaren Bedingungen leitest, sage das vor der Zusage offen. Ein freiwilliger Einstieg in dieses Angebot ersetzt trotzdem nicht das Ansprechen persönlicher Grenzen.
Jedes Problem bekommt sofort eine neue Klausel. Nach einer einzelnen Verspätung entsteht eine halbe Seite Sonderregeln. Der Text wird schwer zu lesen, während das eigentliche Problem unbesprochen bleibt. Klärt zuerst, ob ein Missverständnis, ein einmaliger Ausfall oder eine dauerhafte Unvereinbarkeit vorliegt. Ergänzt nur die Entscheidung, die ihr tatsächlich wieder braucht.
Absagen werden wie moralisches Versagen behandelt. Eine Planungshilfe wird zur Rechtfertigungspflicht. Ersetzt die Suche nach einem „guten genug“ klingenden Grund durch einen verlässlichen Status und ein Gespräch über wiederholte Auswirkungen. Ihr dürft feststellen, dass ein Rhythmus nicht funktioniert; dafür braucht ihr keine Bewertung privater Lebensumstände.
Vorläufige Entscheidungen werden heimlich dauerhaft. Beim Spielen wird schnell entschieden, später taucht dieselbe Auslegung als feste Regel auf. Notiert sie als offen, benennt die Nachprüfung und bestätigt eine dauerhafte Übernahme. Wenn die Frage nicht geprüft wurde, sagt das vor der nächsten betroffenen Handlung.
Die Notiz wird nach dem Schreiben vergessen. Neue Personen kennen sie nicht, und unterschiedliche Fassungen kursieren. Haltet eine aktuelle Fassung an einem festen Ort, markiert Datum und Version und prüft sie bei einem neuen Einstieg oder einer deutlichen Veränderung. Beim regulären Prüftermin genügen drei Fragen: Was funktioniert? Was passt nicht mehr? Welcher Satz muss konkret anders lauten?
Der Vertrag wird als Beweis gegen eine Grenze verwendet. „Du hast damals zugestimmt“ wird zur Aufforderung, trotzdem weiterzuspielen. Haltet zuerst an und verändert die Situation. Prüft erst anschließend, welche Notiz aktualisiert werden muss. Persönliche Grenzen brauchen weder eine Mehrheitsentscheidung noch einen ausführlichen Nachweis.
Fiktives Beispiel: Eine Gruppe hat ein pauschales Handyverbot aufgeschrieben. Als eine Person für eine familiäre Nachricht erreichbar sein muss, entsteht Streit über Ausnahmen. Sie ersetzt den Satz durch eine Absprache über längere Abwesenheit und störende Nebentätigkeiten. Die Gruppe regelt damit den Ablauf am Tisch, statt die Erreichbarkeit der Person zu beurteilen.
Eure Fassung ausprobieren und kurz prüfen
Einsteiger Fortgeschritten ErfahrenNimm die Vorlage und fülle sie für eure nächste Runde aus. Beginne mit den Feldern, die ihr jetzt tatsächlich entscheiden müsst: Termin, Ende, Absageweg, Mindestbesetzung, Unterbrechungssignal und Aufgaben. Den gemeinsamen Rahmen übernimmst du aus eurer bisherigen Absprache oder aus der Session Zero. Wenn er noch offen ist, klärt ihn gemeinsam, bevor ihr dazu scheinbar verbindliche Sätze aufschreibt.
Lest anschließend drei ausdrücklich fiktive Testfälle vor: Eine Person meldet sich eine Stunde vor Beginn krank. Eine zentrale Figur fehlt vor ihrer persönlichen Schlüsselszene. Nach zwei Terminen bittet jemand um eine frühere Endzeit. Jede Person beschreibt kurz, welchen nächsten Schritt sie aus der Notiz ableitet. Unterschiedliche Antworten zeigen eine Stelle, die ihr klären solltet; sie zeigen kein Versagen der Lesenden.
Fiktiver Prüffall mit Lösungsmuster: Mina sagt am Spieltag um 18 Uhr ab. Lea und drei Spielende sind weiterhin verfügbar. Nach dem ausführlichen Laternenwacht-Muster aktualisiert Tom die Besetzungsnachricht; das Hauptspiel bleibt möglich. Lea verschiebt Minas persönliche Schlüsselszene und spielt einen anderen vorbereiteten Ermittlungsschritt. Die Runde hält die wesentlichen Entscheidungen fest, damit Mina vor dem nächsten Abend den nötigen Stand erhält. Sind nur zwei Spielende verfügbar, schlägt Tom das freiwillige Ersatzformat vor. Auch dabei müssen die tatsächlich Beteiligten Zeit und Lust dafür haben; eine Absage der Hauptrunde verpflichtet niemanden zum Ersatzabend.
Das Muster entscheidet nicht, bis zu welcher Uhrzeit ein kurzfristiger Formatwechsel angekündigt werden muss. Braucht eure reale Runde wegen Anreise oder Vorbereitung eine solche Grenze, ergänzt sie ausdrücklich. Braucht sie diese zusätzliche Regel bisher nicht, könnt ihr im Anlassfall kurz abstimmen. Der Übungszweck ist, die tatsächlich nötige Entscheidung zu erkennen, nicht jede denkbare Ausnahme in den Vertrag zu schreiben.
Prüft vor der Bestätigung:
- Alle erreichen die aktuelle Fassung und haben aktiv zugestimmt.
- Spielbeginn, Ende, Pausen und maßgeblicher Kommunikationsweg sind klar.
- Rückmeldefrist und kurzfristige Absagen sind getrennt geregelt.
- Mindestbesetzung zählt Spielende und Spielleitung eindeutig.
- Fehlende Figuren werden innerhalb ausdrücklich vereinbarter Grenzen behandelt.
- Umgang und Unterbrechung werden durch konkrete Handlungen beschrieben.
- Aufgaben und Vorbereitung sind für die Beteiligten machbar.
- Regelunsicherheit hat eine vorläufige Entscheidung und eine Nachprüfung.
- Persönliche Grenzen gelten unmittelbar und werden nicht überstimmt.
- Dauerhafte Änderungen, neue Einstiege und der nächste Prüftermin sind geregelt.
Speichert danach die bestätigte Fassung am vereinbarten Ort. Für den nächsten Abend brauchst du keine erneute vollständige Besprechung: Erinnere nur an die Punkte, die gerade relevant sind, und frage nach neuen Hindernissen. Euer Ziel ist eine Notiz, die das tatsächliche gemeinsame Spielen unterstützt und bei Änderungen wieder geöffnet werden kann.
Weitere Materialien findest du im Kapitel Werkzeuge, Vorlagen und Checklisten. Für den umfassenderen Auftakt mit Spielstil, Figuren und Inhaltsabsprachen nutzt du die Session Zero; dieses Kapitel liefert die dauerhaft griffbereite Vereinbarung.
Quellen und Einordnung
Vorlage, Muster, Prüffälle und vorgeschlagene Fristen sind eigene WE20-Arbeitshilfen. Die Quellen erläutern verwandte Spielpraktiken; sie belegen keine allgemeine Wirksamkeits- oder Sicherheitsgarantie. Links geprüft am 8. Oktober 2026.
- Chris Chinn/Bankuei: The Same Page Tool (Original, englisch) behandelt die gemeinsame Klärung des konkreten Spiels und warnt vor der Nutzung als einzeln ausgefüllte Umfrage. Es ist eine mögliche Vertiefung zum Spielstil, kein Ersatz für Termine und Änderungsverfahren. Die WE20-Vorlage ist keine Übersetzung dieses Werkzeugs.
- Offizieller Regelratgeber: The Basics, insbesondere Rules Discussions (englisch) beschreibt Nachschlagen im Spiel und vorläufige Entscheidungen mit späterer Klärung als mögliche Vorgehensweisen. Die Anleitung hier überträgt keine einzelnen Systemregeln.
- Darrington Press: Session Zero (englisch) beschreibt Inhaltsabsprachen als veränderbare Notiz, die Beteiligte jederzeit ergänzen können. Im Gruppenvertrag bleibt das von eurem Verfahren für dauerhafte Organisationsänderungen getrennt.
Passende Themen zum Weiterlernen
- Session Zero – Besprich Spielstil, Erwartungen und Grenzen vor der ersten Sitzung.
- Gruppendynamik – Erkenne unterschiedliche Bedürfnisse und besprecht, wie ihr zusammen spielen möchtet.
- Schwierige Situationen am Tisch – Bereite Gespräche und nächste Schritte für Konflikte oder stockende Szenen vor.